Niederlausitzer Fundgrube

Der Heimatwanderer Nr. 12 / 1928

Eine Zeckeriner Episode aus dem Jahre 1813.
(Erzählt von Carl Große, Zeckerin.)

Zu den unruhigsten Zeiten unserer Gegend gehörten unzweifelhaft die Jahre 1812/13. Als am 4. Juni 1813 die Franzosen von den preußischen Generalen von Bülow und von Oppen bei Luckau geschlagen waren, nahmen sie, nachdem sie noch Luckau in Brand gesteckt, ihren Rückzug durch unsere Gegend. So kam auch in den Morgenstunden des 5. Juni eine französische Patroille in unser Dorf Zeckerin. Von dieser Patrouille will ich erzählen. Kaum war die Kunde von den Kämpfen um Luckau auch nach hier gedrungen, so veranlaßte der damalige Erb- und Lehnrichter Johann Gottfried Große die Bewohner unseres Dorfes, das gesamte Vieh viel war es ja nicht mehr und schnell erreichbare Habseligkeiten nach der sogenannten Rohrecke das ist das Waldstück zwischen Zeckerin und Brenitz die damals vermöge ihres sumpfigen, grundlosen Charakters für Uneingeweihte fast unerreichbar war, zu transportieren. Auch heutigen Tages ist es dort in den sogenannten Stämmen noch sehr sumpfig, was ja die Leute am besten wissen, die in nassen Jahren dort heuen. Hier bot sich nun in dem undurchdringlichen Dickicht und Gestrüpp, auf den wenigen festen Stellen, ein sicheres Versteck für Mensch und Tier. Das Versteck mußte aber doch verraten worden sein: denn die Patrouille nahm, als sie im Ort nicht vorfand vor allem suchten sie nach Vieh ihren Weg quer über die Wiesen, von Voigt´s Grundstück aus, wo damals der Hauptausgang des Dorfes war. Nicht weit sollten sie kommen, bals saß Mann und Roß tief im Morast und kämpften um ihr Leben. Markerschütternd gellten ihre Hilferufe auch zur Rohrecke herüber. Hier erfolgte kurze Beratung durch den Lehnrichter, und so entschloß man sich, unter der Bedingung, daß kein Franzose die Rohrecke betritt, den Versinkenden zu helfen. Der Lehnrichter trat aus dem Dickicht und rief die Franzosen an. Nicht lange, so antwortete der Führer, ein Offizier, in guter deutscher Sprache und versprach, Leben und Eigentum der Bewohner zu schonen, wenn sie aus ihrer verzweifelten Lage befreit würden. Man muß es dem Führer nachsagen, er hat sein Wort gehalten.
Nun eilten 12 beherzte Männer auf dem geheimen Pfade, der unmittelbar an den im Morast Steckenden vorbeiführte, aber nicht sichtbar war, nach dort. Und es gelang unter unsäglichen Mühen die bereits bis an den Hals Versunkenen die Pferde waren schon verschwunden mit zugeworfenen Leinen und Strängen herauszuziehen. Sie wurden dann auch noch abgewaschen. Der Führer bedankte sich herzlich, sowie auch die Leute und gaben Auskunft über die Lage bei Luckau und den Sieg der Preußen, was bei den Bewohnern hellen Jubel auslöste. Auf den richtigen Weg gebracht, flüchtete die Patroille eiligst und verschwand in Richtung Dobrilugk.